
Die Europäische Kommission hat die erste Visastrategie der Europäischen Union verabschiedet, in der ein strategischerer Ansatz für die Visumpolitik dargelegt wird, da die Union mit zunehmender globaler Mobilität, regionaler Instabilität und wachsendem geopolitischem Wettbewerb konfrontiert ist.
Die am 29. Januar 2026 vorgestellte Strategie zielt darauf ab, den Visumrahmen der EU so zu modernisieren, dass die Sicherheit des Schengen-Raums gestärkt wird und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum gefördert, globale Talente angezogen und der Einfluss der EU im Ausland gestärkt werden.
Die Kommission bezeichnete die Visumpolitik als ein zunehmend wichtiges Instrument zur Wahrung der Integrität der europäischen Grenzen bei gleichzeitiger Erleichterung legitimer Reisen für Touristen, Geschäftsreisende und qualifizierte Fachkräfte.
Ein strategischer Wandel in der EU-Visumpolitik
Nach Angaben der Kommission soll die Visastrategie Europa durch einen modernisierten und kohärenten Ansatz für die Visaverwaltung sicherer, wohlhabender und effizienter machen.
Sie kommt zu einem Zeitpunkt, da der Schengen-Raum nach wie vor das meistbesuchte Reiseziel der Welt ist und jedes Jahr Millionen von Reisenden empfängt – entweder mit Kurzaufenthaltsvisa oder aus visumfreien Ländern.
Kurzzeitvisa in der EU sind in allen 29 Schengen-Ländern harmonisiert, sodass Besucher nach denselben gemeinsamen Regeln innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen bis zu 90 Tage bleiben dürfen.
Staatsangehörige aus mehr als 60 Nicht-EU-Ländern können derzeit visumfrei in die EU einreisen.
Sicherheitsmaßnahmen und stärkere Hebelwirkung
Ein wichtiger Pfeiler der Strategie konzentriert sich auf die Stärkung des Sicherheitsrahmens der EU durch strengere Überprüfungsverfahren und eine verstärkte Überwachung der visumfreien Regelungen.
Die Kommission kündigte an, dass sie auf ein moderneres und berechenbareres System für die Gewährung der Visumfreiheit für Partnerländer hinarbeiten werde, das sich auf klarere Kriterien und zusätzliche Indikatoren wie Visumverweigerungsquoten, unbegründete Asylanträge und Zusammenarbeit bei der Rückführung und Rückübernahme stützt.
Die Strategie sieht auch eine Überarbeitung des EU-Visakodex im Jahr 2026 vor, einschließlich einer Aktualisierung des Mechanismus nach Artikel 25a, der es der EU ermöglicht, gezielte Visabeschränkungen für Länder zu verhängen, die bei der Rückübernahme irregulärer Migranten nicht ausreichend kooperieren.
Der Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, betonte, dass der Zugang zu Visa nicht nur eine administrative, sondern auch eine strategische Frage sei.
„Die Art und Weise, wie wir den Zugang zur EU regeln, ist eine strategische Entscheidung“, sagte Brunner und fügte hinzu, dass die Strategie die Fähigkeit Europas zum Schutz seiner Grenzen stärken und gleichzeitig die Integrität des Schengen-Raums gewährleisten werde.
Einfacheres Reisen und digitale Modernisierung

Neben strengeren Kontrollen zielt die Strategie darauf ab, legitime Reisen insbesondere für Touristen und Geschäftsreisende einfacher, schneller und vorhersehbarer zu gestalten.
Die Kommission hob bevorstehende digitale Reformen hervor, darunter die Einführung von ETIAS – dem EU-System zur Vorabkontrolle von visumfreien Reisenden –, mit dem die Kontrollen ab dem vierten Quartal 2026 teilweise automatisiert werden sollen.
Für Reisende, die ein Visum benötigen, werden neue digitale Verfahren es den Antragstellern schließlich ermöglichen, den gesamten Prozess online abzuwickeln.
Die Strategie sieht auch Visa mit längerer Gültigkeitsdauer und mehrfacher Einreise für vertrauenswürdige Reisende vor, um die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln und Geschäftsreisen zu vereinfachen.
Bis 2028 will die EU die vollständige Interoperabilität ihrer groß angelegten IT-Systeme sicherstellen, damit die Grenzbehörden mehrere Datenbanken mit einer einzigen Suche abfragen können, was den Informationsaustausch verbessert und den Missbrauch von Visa verhindert.
Talente für Innovation gewinnen
Parallel zur Strategie hat die Kommission eine Empfehlung zur Gewinnung von Talenten für Innovation herausgegeben, in der sie die Mitgliedstaaten ermutigt, die EU für Studierende, Forscher, hochqualifizierte Arbeitnehmer, Gründer von Start-ups und innovative Unternehmer attraktiver zu machen.
Die Empfehlung fördert vereinfachte und beschleunigte Verfahren für Langzeitvisa und Aufenthaltsgenehmigungen, einen verbesserten Zugang zu Informationen für Arbeitgeber und Antragsteller sowie eine stärkere Koordinierung zwischen den nationalen Behörden und Innovationsökosystemen.
Die Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen hob die wirtschaftliche Dimension der Initiative hervor und bezeichnete die Visumpolitik als Instrument für die globale Wettbewerbsfähigkeit Europas.
„Ein modernes, zuverlässiges und effizientes Visumsystem stärkt die Sicherheit und das Vertrauen der Partner und trägt gleichzeitig dazu bei, hochqualifizierte Fachkräfte, innovative Ideen und Investitionen anzuziehen“, sagte sie.
Die Visumpolitik als Instrument der Außenpolitik
Die Kommission betonte auch die wachsende Bedeutung der Visumpolitik in den Außenbeziehungen der EU, einschließlich der Möglichkeit, auf feindselige Handlungen von Drittländern zu reagieren.
Der verstärkte Mechanismus zur Aussetzung von Visa, der im Dezember 2025 in Kraft trat, ermöglicht es der EU, Visumbefreiungen im Falle eines Anstiegs der irregulären Migration oder bei Sicherheitsbedenken auszusetzen.
Er wurde bereits zweimal angewendet: zunächst gegen Vanuatu, dessen Visumbefreiung nach Bedenken hinsichtlich der Staatsbürgerschaftsprogramme für Investoren aufgehoben wurde, und zuletzt gegen Georgien, wo die Kommission im Januar 2026 ein Aussetzungsverfahren für Inhaber von Diplomaten- und Dienstpässen eingeleitet hat.
Die Strategie kündigt ferner mögliche neue restriktive Visummaßnahmen an, um hybriden Angriffen, der Instrumentalisierung der Migration und Aggressionshandlungen entgegenzuwirken und die Visumpolitik stärker an den allgemeinen außen- und sicherheitspolitischen Zielen der EU auszurichten.



