
"Souvala auf Ägina: Die „Goldene Verwandlung“ von 1960 und der historische Rundgang durch das antike Oia"
Souvala, der zweitgrößte Hafen und die zweitgrößte Küstensiedlung von Ägina, ist ein Ort mit einer reichen, vielschichtigen Geschichte, die von der Antike bis in die Gegenwart reicht.
Auch wenn seine Geschichte eng mit seiner strategisch günstigen geografischen Lage, den Piratenüberfällen und seinem natürlichen Reichtum verbunden ist, war das Jahrzehnt der 1960er Jahre der entscheidende Meilenstein für seine heutige Identität.
Es war die Zeit, in der sich das ruhige, malerische Fischerdorf allmählich zu einem der beliebtesten Urlaubsziele Attikas entwickelte und dabei unberührte griechische Schönheit mit den ersten Schritten einer organisierten touristischen Entwicklung verband.
Die Geschichte von Souvala reicht bis in vorchristliche und antike Zeiten zurück, als die Siedlung noch den Namen Oia trug. Die wenigen, aber bedeutenden archäologischen Funde sowie die Ruinen antiker Bauwerke in Küstennähe zeugen davon, dass das Gebiet seit jeher bewohnt war. Sein natürlicher Hafen war ein Knotenpunkt für den Handel der Insel.
![]() |
![]() |
Im Mittelalter machte die Nähe von Souvala zum Meer die Stadt jedoch anfällig für Piratenüberfälle. Diese ständige Gefahr zwang die Einwohner aus Sicherheitsgründen dazu, sich vorübergehend ins Landesinnere zurückzuziehen, wobei die Küste lediglich als Anlegestelle diente, bis in der Region wieder Stabilität einkehrte.
Zu Beginn der 1960er Jahre erlangte Souvala dank ihres natürlichen Reichtums an Heilquellen, darunter vor allem die berühmte Quelle „Therma“, weltweite Bekanntheit. Die Bäder von Souvala, die für ihre heilenden Eigenschaften (insbesondere bei rheumatischen und Hauterkrankungen) bekannt waren, zogen jeden Sommer Tausende von Besuchern an.
Dieser Zustrom machte den Kur- und Wellnesstourismus zum wichtigsten wirtschaftlichen Motor der Region und gab dem lokalen Markt neue Impulse.
![]() |
![]() |
Der lokalen Überlieferung zufolge soll auch der Heilige Nektarios regelmäßig in die Gegend gekommen sein, um die Bäder zu nutzen.
Die natürlichen unterirdischen Quellen der Region waren bereits seit der Antike für ihre wohltuenden Eigenschaften bekannt. In den Felsen nahe dem Meer sind bis heute in den Fels gehauene antike Zisternen erhalten. Diese Bauwerke wurden von den antiken Bewohnern zum Auffangen, Speichern und Nutzen dieses wertvollen Wassers genutzt.
Der Hafen und die Ortschaft in den 60er Jahren hatten nichts mit der heutigen dichten Bebauung und der modernen Infrastruktur gemein.
Entlang der Küste gab es nur wenige Gebäude. Das Bild wurde von traditionellen Holzbooten und den kleinen Passagierschiffen der Linienfähren geprägt, die die ersten begeisterten Urlauber aus Piräus herüberbrachten.
Die Landschaft wurde von wenigen, vereinzelten Ferienhäusern geprägt, die von unbefestigten Straßen und unberührten Landschaften umgeben waren.
Die ersten traditionellen Tavernen stellten ihre Tische buchstäblich direkt am Wasser auf und boten ihren Gästen frischen Fisch und unverfälschte regionale Produkte an.
Der Alltag und die Infrastruktur jener Zeit zeichneten sich durch eine romantische, aber auch anspruchsvolle Einfachheit aus. Touristen und Einheimische gelangten ins Landesinnere von Ägina mit den alten, lauten Bussen jener Zeit, die das rudimentäre Straßennetz durchquerten.
![]() |
![]() |
Gleichzeitig blieben die Tiere – vor allem die Esel – das wichtigste und zuverlässigste Transportmittel für Waren, das Gepäck der Urlauber sowie die landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Region.
Schon der Name „Souvala“ birgt seine eigene Geschichte.
Das Wort bezeichnet eine künstliche, offene Zisterne oder ein Wasserreservoir. Der Name geht auf die vielen kleinen Zisternen zurück, die die Bewohner in die Felsen und in den Boden gruben, um Regenwasser zu sammeln und so der seit jeher herrschenden Wasserknappheit auf der Insel entgegenzuwirken.
Es wird vermutet, dass der Name vom slawischen Wort „Suvala“ stammt, was „Sumpf“ oder „mit Wasser gefüllte Senke“ bedeutet. Dieser Ortsname verbreitete sich im Mittelalter in ganz Griechenland.
Im Mittelalter wurde die Ägäis von heftigen und blutigen Piratenüberfällen heimgesucht. Das Bedürfnis nach Schutz zwang die Bewohner von Ägina dazu, die Küsten zu verlassen.
Sie verlegten ihre Hauptstadt ins Innere der Insel, in die befestigte Burgstadt Paleochora.
Da Paleochora keinen direkten Zugang zum Meer hatte, übernahm Souvala die entscheidende Rolle als Haupthafen und als Verbindungstor der mittelalterlichen Hauptstadt zur Außenwelt.
Über die Bucht von Souvala lief der gesamte Warenverkehr und die Hauptversorgung von Paleochora.
In der nachbyzantinischen Zeit entwickelte sich das Gebiet zur wichtigsten Werft von Ägina, in der die Schiffe der Insel gebaut und repariert wurden.
Im Laufe der Jahrzehnte ließ die Heilkraft der Quellen nach, und die alten Kuranlagen wurden nach und nach aufgegeben und verfielen.
Souvala hat jedoch nichts von ihrem Wert eingebüßt, sondern ihre Identität neu definiert.
Aus einem ruhigen Fischerdorf hat es sich nach und nach zu einem der beliebtesten Ferienorte auf Ägina entwickelt. Sein großer Vorteil ist, dass es ihm gelungen ist, sich zu modernisieren, ohne dabei seinen Charakter zu verändern.
Bis heute hat Souvala seinen authentischen, traditionellen und familiären Charakter bewahrt und bietet seinen Besuchern herzliche Gastfreundschaft, während es gleichzeitig weiterhin als zweiter offizieller Hafen der Insel dient.
Text: Dionysis Papadimitriou
Copyright für Text und Foto bei Dionysis Papadimitriou
Facebook: Dionysis Papadimitriou
Übersetzung: Athen Magazin








