„Bourtz“ von Ägina

"Das verlorene „Bourtzi“ von Ägina: Die Geschichte der Seefestung, die der Modernisierung geopfert wurde"

Seltene Fotografien aus den Jahren 1894–1895, aufgenommen vom französischen Architekten und Fotografen Lucien Magne, bewahren ein Bild von Ägina, das für immer verloren gegangen ist.

Im Hintergrund des Hafens thront das Bourtzi, eine quadratische Festung am Meer, die jahrhundertelang stolz emporragte, bevor sie im Namen der städtischen Entwicklung abgerissen wurde.

Im Gegensatz zum berühmten Bourtzi von Nafplio, das bis heute erhalten geblieben ist, ist die entsprechende Festung auf Ägina mittlerweile nur noch eine historische Erinnerung.

Das Wort „Bourtzi“ ist türkisch-arabischen Ursprungs (burc) und bedeutet Turm, Festung oder Burg. Diese Festung wurde auf einer kleinen, gleichnamigen Felseninsel am Hafeneingang errichtet, direkt gegenüber der bekannten, malerischen kleinen Kirche des Heiligen Nikolaus des Seefahrers.

Die Grundlage seiner Bauweise war antik-griechischen Ursprungs, was die zeitlose strategische Bedeutung dieses Ortes verdeutlicht.

Die Hauptburg wurde Ende des 15. Jahrhunderts, während der ersten venezianischen Herrschaft, erbaut, vor allem um die Insel vor den heftigen Überfällen der Piraten zu schützen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Festung von den venezianischen Flottenadmiralen und Kommandanten Francesco Morosini und Aloisio Mocenigo renoviert, befestigt und modernisiert, wodurch sie die Gestalt eines mächtigen Küstenbastions annahm.

Während des Unabhängigkeitskampfes spielte diese kleine Küstenfestung eine entscheidende Rolle. Da sich Ägina schon bald zu einem der wichtigsten Rückzugsorte der Rebellen und später zum ersten offiziellen Sitz der griechischen Regierung unter Ioannis Kapodistrias entwickelte, war die Sicherheit des Hafens von entscheidender Bedeutung.

 Bourtzi von Ägina

Bourtzi bot entscheidenden Schutz vor den Überfällen der osmanischen Flotte und der Piraten. Da seine Kanonen die Einfahrt in die Bucht vollständig kontrollierten, hielt es den Hafen offen und sicher und ermöglichte so den Transport von Nachschub, Kriegern und zivilen Persönlichkeiten in einer der entscheidenden Phasen der neueren griechischen Geschichte.

Der Countdown für die historische Festung begann Ende des 19. Jahrhunderts. Der Bedarf von Ägina an einem größeren, moderneren und sichereren Hafen, der dem wachsenden Schiffs- und Handelsverkehr jener Zeit gerecht werden konnte, rückte Bourtzi in den Fokus der Hafenumbauten.

Auf Beschluss des griechischen Staates wurden die Maßnahmen zur Modernisierung des Hafens eingeleitet; konkret begannen 1897 die ersten Arbeiten und Umbaumaßnahmen im Bereich der Festung, deren vollständiger Abriss 1905 abgeschlossen wurde.

Die kleine Felseninsel, auf der es errichtet worden war, wurde eingeebnet und mit Schutt aufgefüllt, um sie mit dem Festland zu verbinden. Auf diese Weise entstand die heutige große südliche Mole (Wellenbrecher) des Hafens.

Auch wenn der Abriss der Burg Aegina ein bedeutendes mittelalterliches Denkmal geraubt hat – im Gegensatz zu anderen griechischen Städten, die ihre eigenen Küstenfestungen erhalten haben –, hat dieses Opfer den Hafen in die Gestalt verwandelt, wie wir ihn heute kennen.

Fotos wie dieses von Lucien Magne sind nach wie vor wertvolle historische Zeugnisse, die uns an die facettenreiche Geschichte erinnern, die sich unter dem modernen Beton des Hafens von Ägina verbirgt.

Text: Dionysis Papadimitriou


Copyright für Text und Foto bei Dionysis Papadimitriou
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Übersetzung: Athen Magazin