"Der Strand von Ägina im Wandel der Zeit: Von den berühmten Mandelplätzchen
von Karagiannis bis zum historischen Logiotatidis-Gebäude"


Die Strandpromenade von Ägina spiegelt seit jeher die reiche Geschichte der Insel wider. Anhand seltener Fotodokumente aus den 1960er Jahren entfaltet sich eine Ära authentischer städtischer Gastfreundschaft, in der kulinarische Tradition auf architektonische Pracht traf – direkt an den Grundmauern der jüngeren griechischen Geschichte.

Im Zentrum des Hafenlebens ragte das imposante Karagiannis-Gebäude empor. Als eines der höchsten Gebäude an der Uferpromenade der Stadt galt dieses Haus nicht nur als architektonisches Juwel, sondern auch als lebendiger Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.

Im Erdgeschoss war das berühmte Café Karagiannis ein Anziehungspunkt für Einheimische und prominente Urlauber, die seine Tische belagerten, um die berühmten Mandelplätzchen von Ägina zu genießen. Diese Süßspeise, die untrennbar mit der Gastfreundschaft der Insel verbunden ist, hat aufgrund ihres unverfälschten Geschmacks und ihrer eleganten Präsentation Geschichte geschrieben.

Im Erdgeschoss war das berühmte Café Karagiannis ein Anziehungspunkt
für Einheimische und prominente Urlauber


Im Gegensatz zu den gebackenen Mandelplätzchen, die wie weiche „Ergolach“ aussahen, hatte sich Karagiannis auf ungebackene Mandelplätzchen spezialisiert. Der Mandelteig wurde direkt mit einem eingedickten Zuckersirup verknetet. Dadurch blieb das Gebäck viele Tage lang außergewöhnlich weich, saftig und zäh, ohne auszutrocknen.

Das Geheimnis ihres Geschmacks lag in der großzügigen Besprengung mit reinem Blütenwasser. Der Teig nahm das Aroma auf, bevor die Süßigkeiten geformt und mit einer dicken Schicht Puderzucker bestäubt wurden.

Sie wurden ausschließlich von Hand in der klassischen quadratischen Form geformt. An ihrer Spitze wurde eine Nelke (Moschokarfylo) eingesteckt, die nicht nur als Verzierung diente, sondern auch einen dezenten, würzigen Duft im Inneren des Gebäcks hinterließ.

Das Café von Karagiannis hatte den Verzehr von Mandelgebäck zu einem rundum gelungenen Erlebnis für die Athener Urlauber und Touristen gemacht.

Sie wurden stets auf kleinen Tellerchen neben dem traditionellen griechischen Kaffee serviert, der im Briki gebrüht wurde, wodurch ein perfekter Kontrast zwischen dem bitteren Geschmack des Kaffees und der intensiven Süße der Mandeln entstand.

Bevor das Schiff zur Rückfahrt nach Piräus ablegte, standen die Reisenden Schlange vor dem Laden, um die typischen, mit einer Schnur verschnürten Pappschachteln voller frischer Mandelplätzchen zu kaufen, die sie als Mitbringsel nach Athen mitnehmen wollten.

In den oberen Stockwerken betrieb die Familie eines der ersten organisierten Hotels der Insel. Mit Blick auf den Saronischen Golf beherbergte es die erste Generation des organisierten Tourismus, zu einer Zeit, als sich Ägina gerade als beliebtes Nahziel von Athen etablierte.

Direkt neben dem Karagiannis-Gebäude befindet sich das Logiotatidis-Gebäude, eines der bedeutendsten historischen Gebäude auf Ägina.

Direkt neben dem Karagiannis-Gebäude befindet sich das Logiotatidis-Gebäude


Diese Nachbarschaft verbindet auf einzigartige Weise die Nachkriegsentwicklung der Insel mit der Zeit der nationalen Wiedergeburt.

Spyridon Logiotatidis war eine führende Persönlichkeit der Revolution von 1821 auf Ägina. Sein Herrenhaus am Strand diente als Zentrum der Entscheidungsfindung und beherbergte bedeutende Persönlichkeiten jener Zeit. Als Ägina unter Ioannis Kapodistrias zur ersten Hauptstadt des freien griechischen Staates erklärt wurde, spielten Gebäude wie das der Familie Logiotatidis eine entscheidende Rolle bei der Unterbringung und Unterstützung der ersten Regierung.

Auch heute noch bewahrt der Strand von Ägina seinen vornehmen Charakter. Trotz der Veränderungen, die der Lauf der Zeit hinsichtlich der Nutzung der Gebäude mit sich gebracht hat – wie beispielsweise die jüngste Neugestaltung und der Abriss alter Bauten vor dem Logiotatidis-Gebäude, um dessen Fassade besser zur Geltung zu bringen –, bleiben die Erinnerung an Karagiannis mit seinen Mandelplätzchen und der Schatten der Kämpfer von 1921 lebendig.

Anhand dieser beiden benachbarten Fassaden kann der Besucher noch immer die Geschichte Griechenlands nachverfolgen – von den Jahren des Unabhängigkeitskampfes bis hin zu den Jahren der Hoffnung und der kosmopolitischen Wiedergeburt in den 60er Jahren.

Κείμενο: Dionysis Papadimitriou

Copyright für Text und Foto bei Dionysis Papadimitriou
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Übersetzung: Athen Magazin