Ägina im Jahr 1961
"Wo die Geschichte an den Ufern des Saronischen Golfs ihre Spuren hinterlässt -
Das Auswerfen der Netze auf Ägina im Jahr 1961"

Am Kai einer griechischen Insel, wo die Wellen an den Felsen brechen, beugt sich ein Mann mit vollster Konzentration über sein Arbeitsgerät.

Wir schreiben das Jahr 1961. Der Ort ist Ägina. Das Foto mit dem schlichten, aber vielsagenden Titel „Das Auslegen der Netze“ ist nicht nur eine Momentaufnahme der Zeit, sondern ein lebendiges Zeugnis eines Griechenlands, das durch seine enge Verbindung zum Meer kämpfte, schuf und überlebte.

Im Mittelpunkt des Bildes steht ein einheimischer Fischer, der sich einer uralten Kunst widmet, nämlich dem Flicken (Reparieren und Ausbessern) zerrissener Netze.

Die Netze und die traditionellen Korkmatten (die „Felloudia“ oder „Palantzes“ jener Zeit, bevor Kunststoff die Oberhand gewann) liegen auf dem Boden ausgebreitet und bilden ein fast geometrisches Muster auf dem Boden.

Jede Bewegung der Hände des Fischers ist genau kalkuliert. Das Verwickeln der Schnüre erfordert Geduld, Erfahrung und ein geschultes Auge im Halbdunkel des Ufers.

Die Küste verwandelt sich in ein Freiluftlabor. Die traditionellen Fischereipraktiken, die noch nicht von der starken Mechanisierung der folgenden Jahrzehnte geprägt sind, zeigen sich hier in ihrer reinsten Form.

Das Werk stammt aus der Feder des bedeutenden Fotografen Dimitris Papadimos (1918–1994). Papadimos, der einen zutiefst menschenzentrierten Blick hatte, vermied billige touristische Klischees.

Anstatt Ägina als bloßen idyllischen Rückzugsort darzustellen, entschied er sich dafür, den Menschen im Kampf ums Überleben in den Mittelpunkt zu stellen.

Indem er das natürliche Licht des Saronischen Golfs nutzte, schuf er starke Kontraste, die die Falten im Gesicht des Fischers, die Rauheit seiner Hände und die reliefartige Struktur der Netze hervorheben. So wird sein Foto zu einem sozialen Dokument.

Hinter der Gestalt des konzentrierten Fischers und jenseits der ausgebreiteten Netze verbirgt sich im Hintergrund des Fotos ein weiteres unschätzbares historisches Zeugnis der Region.

Am Rand des Bildes ist das Holzboot „Kekryfalia“ zu erkennen. Dieses historische Wasserfahrzeug war die lebende Brücke des Saronischen Meeres und bediente jahrelang die regelmäßigen Fährverbindungen zwischen Ägina und dem benachbarten Agistri. Ihre Präsenz im Hintergrund ergänzt nicht nur ästhetisch die maritime Landschaft, sondern spiegelt auch anschaulich den täglichen Verkehr, die Isolation und die Kommunikation der Menschen jener Zeit und verwandelt so Papadimos’ Foto in eine umfassende Momentaufnahme des Insellebens von 1961.

Im Jahr 1961 befand sich Ägina an der Schwelle zwischen zwei Welten. Einerseits hatte die Insel ihre traditionelle Wirtschaft, die auf Fischerei, Schwammfang, Töpferwaren und dem Anbau von Erdnüssen beruhte, unverändert beibehalten.

Andererseits begannen die ersten Intellektuellen, Künstler (wie Yannis Moralis und Nikos Nikolaou) und Urlauber, den Charme der Insel zu entdecken.

Papadimos’ Aufnahme hält den Moment fest und „friert“ die Zeit ein, kurz bevor der massive Tourismusboom die Landschaft und die Berufsstruktur der Region für immer verändern wird.

Το γεγονός ότι αυτό το σπάνιο κλικ έφτασε στις μέρες μας το οφείλουμε στο Ελληνικό Λογοτεχνικό και Ιστορικό Αρχείο του Μορφωτικού Ιδρύματος Εθνικής Τραπέζης (ΕΛΙΑ-ΜΙΕΤ) το οποίο έχει αναλάβει τη διαφύλαξη, συντήρηση και ψηφιοποίηση του πολύτιμου αρχείου του Δημήτρη Παπαδήμου.

Durch diese Digitalisierung ist das Foto nicht mehr nur ein vergessenes Negativ in einer Schublade. Es wird zu einem zugänglichen Kulturerbe, das es jüngeren Generationen ermöglicht, die Geschichte des griechischen Alltags und der Volkskunst zu erforschen.

„Das Ausbreiten der Netze“ ist nicht nur ein schönes nostalgisches Bild. Es ist eine Hommage an den namenlosen griechischen Fischer und eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, unser visuelles Gedächtnis zu bewahren. Durch den Blick von Papadimos und die Fürsorge von ELIA-MIET webt der Fischer von Ägina aus dem Jahr 1961 seine Netze bis in alle Ewigkeit weiter und erinnert uns so an unsere Wurzeln.

Text: Dionysis Papadimitriou

Copyright für Text und Foto bei Dionysis Papadimitriou
Facebook: Dionysis Papadimitriou

Übersetzung: Athen Magazin