"Der vergessene futuristische Sommer von ’73: Als das Hovercraft von Ägina
über den Saronischen Golf „flog“"
Im Sommer 1973 wurden die Badegäste und die ständigen Einwohner von Ägina und Piräus Zeugen eines noch nie dagewesenen Spektakels.
Ein seltsames, hochmodernes Schiff, das aussah, als stamme es aus einem Science-Fiction-Film, pflügte durch die Gewässer des Saronischen Meeres und hinterließ eine riesige Wolke aus Wassertröpfchen.
Es handelte sich um den „Express Anastasia“, ein Hovercraft (Luftkissenboot), das der visionäre Unternehmer Andreas Vombogiannis über sein neu gegründetes Unternehmen „Tachyploa NT“ nach Griechenland eingeführt hatte.
Dieser Schritt war nicht nur ein unternehmerisches Vorhaben, sondern eine technologische Revolution, die ihrer Zeit – der Ära der berühmten „Fliegenden Delfine“ – weit voraus war.
Die „Express Anastasia“ war ein in Großbritannien gebautes Schiff vom Typ HM2 (Hovermarine 2), das von dem Spezialunternehmen Hovermarine entworfen wurde. Im Gegensatz zu den vollamphibischen Luftkissenfahrzeugen, die sich ausschließlich auf einem Luftkissen fortbewegen (und bis zum Sandstrand fahren können), gehörte das HM2 zur Kategorie der Sidewall-Luftkissenfahrzeuge.
Es verfügte über feste, starre Seitenwände, die ins Wasser ragten.
Spezielle flexible Gummischürze (Skirting) dichteten die Vorder- und Rückseite ab.
Leistungsstarke Ventilatoren saugten die Luft unter dem Schiff ein und hoben es an, während der Antrieb über herkömmliche Propeller und Dieselmotoren erfolgte, wodurch eine stabile Kursführung gewährleistet wurde.
Auf diese Weise reduzierte das Schiff den Wasserwiderstand drastisch. Das Ergebnis? Eine blitzschnelle Fahrt. Die „Express Anastasia“ legte die Strecke Piräus–Aegina in nur 20 bis 25 Minuten zurück – eine Rekordzeit, die die Passagiere der 1970er Jahre, die an die herkömmlichen, langsamen Linienschiffe gewöhnt waren, sprachlos machte.
Trotz der anfänglichen Begeisterung, der Werbung und des einzigartigen Fluggefühls, das es den Passagieren bot, fiel das futuristische Projekt von Andreas Vombogiannis den Umständen und technischen Einschränkungen zum Opfer. Das ehrgeizige Vorhaben wurde aufgrund von drei wesentlichen Faktoren abrupt beendet.
Wenige Monate nach Aufnahme des Flugbetriebs brach die weltweite Ölkrise aus. Die Kraftstoffpreise schossen weltweit in die Höhe. Da die Triebwerke der HM2 enorme Mengen an Kraftstoff benötigten, um das Schiff in der Luft zu halten und ihm Geschwindigkeit zu verleihen, wurde ihr Betrieb wirtschaftlich unrentabel.
Der Argosaronische Meer weist trotz des Eindrucks eines geschlossenen Meeres oft starken, steilen Wellengang auf. Sidewall-Hovercraft dieses Typs erwiesen sich unter solchen Bedingungen als anfällig. Die Fahrt verlief äußerst holprig, was bei den Passagieren starke Übelkeit auslöste, was wiederum die breite Öffentlichkeit abschreckte.
Die Beschaffung spezieller Ersatzteile aus England war ein zeitaufwändiger und kostspieliger Vorgang, wodurch das Schiff für längere Zeit im Hafen festsaß.
Das Scheitern des „Express Anastasia“ bedeutete nicht das Ende der Schnellboote in Griechenland, sondern war der Auftakt zu etwas Beständigerem. Mitte der 1970er Jahre fand der Saronische Golf in den aus Russland stammenden Tragflügelbooten (Hydrofoils), den uns allen bekannten „fliegenden Delfinen“, seine dauerhaften Geschwindigkeitskönige.
Diese Boote, die auf Metallflügeln ruhten, welche den Rumpf aus dem Wasser hoben, erwiesen sich in den griechischen Gewässern als wesentlich widerstandsfähiger gegen Wellengang, stabiler und wirtschaftlicher.
Das Hovercraft von Ägina ging als romantisches, bahnbrechendes Unterfangen in die Geschichte ein. Es hat sich zwar in den griechischen Gewässern nicht durchgesetzt, ebnete jedoch den Weg für den Hochgeschwindigkeits-Seeverkehr, den wir heute genießen.
(Beispielfoto des Bootes)
Text: Dionysis Papadimitriou
Copyright für Text und Foto bei Dionysis Papadimitriou
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Übersetzung: Athen Magazin


